Eben habe ich eine Reportage über Menschen mit Essstörungen gesehen. An sich habe ich dabei nichts neues gelernt, ich beschäftige mich schon viel zu lange mit solchen Dingen, als dass eine Free-TV-Doku meinen Wissensschatz da noch bereichern könnte. Es ging hauptsächlich um Magersüchtige und Bulemikerinnen, aber es war auch eine ehemals extrem übergewichtige Frau dabei, die durch einen Magen-Bypass dann stakr abgenommen hat.
Jedenfalls, was mich wirklich nachdenklich gemacht hat ist eine Frage, die ich mir schon sehr lange stelle: es gibt zig Kliniken, Therapeuten etc. für Magersüchtige und Bulemiker, wo diese teils über Monate hinweg betreut und an ein halbwegs normales Leben mit einem halbswegs normalem Essverhalten herangeführt werden. Warum gibt es sowas nicht für Fresssüchtige?
Ich habe auf diese Frage zwei mögliche Antworten. Die erste und nettere wäre:
Fresssüchtige Menschen leidenn unter einer weitaus weniger selbstzerstörenden Sucht, als Magersüchtige und Bulemiker. Natürlich ist extremes Übergewicht auch extrem ungesund, aber im Vergleich zu extremen Untergewwicht doch deutlich besser zu überleben. Dass wirklich eine krankhafte Sucht zuviel zu essen vorliegt wird also einfach viel weniger wahrgenommen.
Die zweite, deutlich weniger nette, meiner Ansicht nach aber plausiblere Antwort:
Fresssüchtige zu therapieren hat einen viel geringeren wirtschaftlichen Nutzen, als bei Magersüchtigen und Bulemikern. Magersüchtige und Bulemiker konsumieren nichts, na ja, Bulemiker vielleicht Süßigkeiten um sich hinterher zu erbrechen. Aber an sich konsumieren diese Menschen verhältnismäßig wenig. Sie haben zwar gesundheitliche Folgen, die kostenpflichtig behandelt werden müssen, das hat aber auch nur dann wirklich Wirtschaftpotential, wenn man sie von ihrem gestörten Essverhalten zumindest soweit heilt, dass sie alt werden und die Spätfolgen ihrer Essstörung möglichst lange behandeln lassen. Fresssüchtige dagegen konsumieren ohne Ende: sie essen viel zu viel, ergo kaufen sie viel Essen. Sie sind über ihr Gewicht unglücklich und kaufen deswegen Diätratgeber, Zeitschriften mit neuen Diäten, Schlankheitspillen und nehmen an Diätkursen (z.B. WW) teil. Außerdem müssen sie öfter Klamotten kaufen, weil sie ständig in die alten nicht mehr reinpassen und diese außerdem schneller kaputt gehen (ja tun sie, selbst wenn man sein Gewicht hält gehen bei einem Übergewichtigen die Kleider schneller kaputt). Dazu kommt, dass Übergewichtige Menschen natürlich auch eine ganze Reihe von Folgekrankheiten kriegen: Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkbeschwerden, Rückenprobleme, Atemwegsbeschwerden und zig andere Sachen, die alle unmittelbar oder mittelbar mit dem Übergewicht zusammenhängen. Das muss dann therapiert werden und bringt Ärzten wie Pharmazeuten Kunden. Ist das toll! Lasst uns die Dicken erhalten!
Da ist dann kein Nutzen in einer wirklich erfolgreichen Therapie. Der fresssüchtige Mensch würde ja plötzlich weniger Nahrung benötigen, er würde seltener neue Klamotten kaufen (wenn das Zielgewicht mal erreicht ist), er wäre viel gesünder und damit keine Goldgrube für die, die an Medzin jeglicher Art verdienen. Das wäre doch echt blöd! Da haben doch alle mehr davon, wenn sie einfach ignorieren, dass Fresssucht eine ebenso ernsthaft psychische Erkrankung ist, wie Magersucht oder Bulemie. Der Fresssüchtige wird doch viel wirtschaftsförderner behandelt, wenn er seine Sucht nie in den Griff kriegt und immer weiter und weiter von der Diätindustrie, der Medizin und Pharamindustrie abhängig bleibt. Selbst ein Magen-Bypass ist doch viel konsumorientierter, weil der Patient hinterher mit Sicherheit erstmal tierische behandlungsbedürftige Kreislaufprobleme wegen der sehr schnellen Abnahme kriegt und außerdem bestimmt dann noch Hautstraffungen etc. folgen, weil die Abnahme viel zu schnell geht, als dass die Haut da jemals hinterher könnte. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass Mage-Bypass-Patienten in größeren Mengen Vitamine etc. substituieren müssen, weil die Nahrungsmengen, die sie aufnehmen können einfach nicht ausreichen können um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
Mir hat mal eine Psychologin gesagt, dass sie ja mit Magersüchtigen und Bulemie-Kranken eine ganz andere Therapie machen muss, als sie das mit einem Fresssüchtigen macht. Und ich frage mich ernsthaft: wie kommt sie darauf? Der Hauptunterschied besteht doch in den Nahrungsmengen, die der Patient zu sich nimmt, aber unter gestörter Selbstwahrnehmung, vermindertem Selbstbewußtsein, Kontrollzwang und Verheimlichungszwang leiden doch beide. Und in beiden Fällen muss man auch die Gründe für das gestörte Essverhalten und nicht nur dieses Essverhalten selber therapieren. Eine reine Verhaltenstherapie wird in beiden Fällen nie ausreichen. Man kann einem Magersüchtigen nicht einfach sagen: "Iss halt!" und man kann einem Fresssüchtigen nicht einfach sagen "Iss halt nicht!". Das klappt eben nicht.
Okay, einen Unterschied gibt es vielleicht noch, der aber doch wieder eine Gemeinsamkeit ist: beide wollen abnehmen, nur der Magersüchtige sollte eigentlich zunehmen, während der Fresssüchtige Recht dammit hat, dass er abnehmen will. Juhu! Damit kann man natürlich super begründen, dass Fresssüchtige eigentlich keine richtige Therapie brauchen, denn sie haben ja trotz allem begriffen, dass sie zu fett sind. Halleluja! Funktioniert ja auch alles blendend, denn jede Diät ist ja bekanntermaßen von Erfolg gekrönt und sobald der Fresssüchtige sieht, dass er zu dick ist, nimmt er ja auch sofort eine Diät in Angriff, nimmt dauerhaft ab und ist all seine Probleme los!
Jedenfalls, was mich wirklich nachdenklich gemacht hat ist eine Frage, die ich mir schon sehr lange stelle: es gibt zig Kliniken, Therapeuten etc. für Magersüchtige und Bulemiker, wo diese teils über Monate hinweg betreut und an ein halbwegs normales Leben mit einem halbswegs normalem Essverhalten herangeführt werden. Warum gibt es sowas nicht für Fresssüchtige?
Ich habe auf diese Frage zwei mögliche Antworten. Die erste und nettere wäre:
Fresssüchtige Menschen leidenn unter einer weitaus weniger selbstzerstörenden Sucht, als Magersüchtige und Bulemiker. Natürlich ist extremes Übergewicht auch extrem ungesund, aber im Vergleich zu extremen Untergewwicht doch deutlich besser zu überleben. Dass wirklich eine krankhafte Sucht zuviel zu essen vorliegt wird also einfach viel weniger wahrgenommen.
Die zweite, deutlich weniger nette, meiner Ansicht nach aber plausiblere Antwort:
Fresssüchtige zu therapieren hat einen viel geringeren wirtschaftlichen Nutzen, als bei Magersüchtigen und Bulemikern. Magersüchtige und Bulemiker konsumieren nichts, na ja, Bulemiker vielleicht Süßigkeiten um sich hinterher zu erbrechen. Aber an sich konsumieren diese Menschen verhältnismäßig wenig. Sie haben zwar gesundheitliche Folgen, die kostenpflichtig behandelt werden müssen, das hat aber auch nur dann wirklich Wirtschaftpotential, wenn man sie von ihrem gestörten Essverhalten zumindest soweit heilt, dass sie alt werden und die Spätfolgen ihrer Essstörung möglichst lange behandeln lassen. Fresssüchtige dagegen konsumieren ohne Ende: sie essen viel zu viel, ergo kaufen sie viel Essen. Sie sind über ihr Gewicht unglücklich und kaufen deswegen Diätratgeber, Zeitschriften mit neuen Diäten, Schlankheitspillen und nehmen an Diätkursen (z.B. WW) teil. Außerdem müssen sie öfter Klamotten kaufen, weil sie ständig in die alten nicht mehr reinpassen und diese außerdem schneller kaputt gehen (ja tun sie, selbst wenn man sein Gewicht hält gehen bei einem Übergewichtigen die Kleider schneller kaputt). Dazu kommt, dass Übergewichtige Menschen natürlich auch eine ganze Reihe von Folgekrankheiten kriegen: Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkbeschwerden, Rückenprobleme, Atemwegsbeschwerden und zig andere Sachen, die alle unmittelbar oder mittelbar mit dem Übergewicht zusammenhängen. Das muss dann therapiert werden und bringt Ärzten wie Pharmazeuten Kunden. Ist das toll! Lasst uns die Dicken erhalten!
Da ist dann kein Nutzen in einer wirklich erfolgreichen Therapie. Der fresssüchtige Mensch würde ja plötzlich weniger Nahrung benötigen, er würde seltener neue Klamotten kaufen (wenn das Zielgewicht mal erreicht ist), er wäre viel gesünder und damit keine Goldgrube für die, die an Medzin jeglicher Art verdienen. Das wäre doch echt blöd! Da haben doch alle mehr davon, wenn sie einfach ignorieren, dass Fresssucht eine ebenso ernsthaft psychische Erkrankung ist, wie Magersucht oder Bulemie. Der Fresssüchtige wird doch viel wirtschaftsförderner behandelt, wenn er seine Sucht nie in den Griff kriegt und immer weiter und weiter von der Diätindustrie, der Medizin und Pharamindustrie abhängig bleibt. Selbst ein Magen-Bypass ist doch viel konsumorientierter, weil der Patient hinterher mit Sicherheit erstmal tierische behandlungsbedürftige Kreislaufprobleme wegen der sehr schnellen Abnahme kriegt und außerdem bestimmt dann noch Hautstraffungen etc. folgen, weil die Abnahme viel zu schnell geht, als dass die Haut da jemals hinterher könnte. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass Mage-Bypass-Patienten in größeren Mengen Vitamine etc. substituieren müssen, weil die Nahrungsmengen, die sie aufnehmen können einfach nicht ausreichen können um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
Mir hat mal eine Psychologin gesagt, dass sie ja mit Magersüchtigen und Bulemie-Kranken eine ganz andere Therapie machen muss, als sie das mit einem Fresssüchtigen macht. Und ich frage mich ernsthaft: wie kommt sie darauf? Der Hauptunterschied besteht doch in den Nahrungsmengen, die der Patient zu sich nimmt, aber unter gestörter Selbstwahrnehmung, vermindertem Selbstbewußtsein, Kontrollzwang und Verheimlichungszwang leiden doch beide. Und in beiden Fällen muss man auch die Gründe für das gestörte Essverhalten und nicht nur dieses Essverhalten selber therapieren. Eine reine Verhaltenstherapie wird in beiden Fällen nie ausreichen. Man kann einem Magersüchtigen nicht einfach sagen: "Iss halt!" und man kann einem Fresssüchtigen nicht einfach sagen "Iss halt nicht!". Das klappt eben nicht.
Okay, einen Unterschied gibt es vielleicht noch, der aber doch wieder eine Gemeinsamkeit ist: beide wollen abnehmen, nur der Magersüchtige sollte eigentlich zunehmen, während der Fresssüchtige Recht dammit hat, dass er abnehmen will. Juhu! Damit kann man natürlich super begründen, dass Fresssüchtige eigentlich keine richtige Therapie brauchen, denn sie haben ja trotz allem begriffen, dass sie zu fett sind. Halleluja! Funktioniert ja auch alles blendend, denn jede Diät ist ja bekanntermaßen von Erfolg gekrönt und sobald der Fresssüchtige sieht, dass er zu dick ist, nimmt er ja auch sofort eine Diät in Angriff, nimmt dauerhaft ab und ist all seine Probleme los!
- Mood:
angry


Comments
Durch diese Bücher bekam ich den Eindruck, dass Fresssüchtige tatsächlich auch in den Kliniken für Essstörungen behandelt werden, die auch versuchen, magersüchtige zu behandeln.
Worin du möglicherweise recht hast: Dass viele Therapeuten denken: Die soll doch einfach abnehmen! und nicht sehen, was sonst noch dahinter steckt.
Andererseits weiß ich nicht, wie viele Menschen bei Magersüchtigen die gleiche Haltung annehmen: Die muss eben einfach wieder ein vernünftiges Essverhalten lernen. (Bei manchen Büchern, die ich gelesen habe, bekam ich diesen Eindruck.)
Die Frau von meinem Chef ist psychosomatische Ärztin, und manchmal erzählt er mir von ihrer Arbeit. Sie arbeite viel mit Magersüchtigen zusammen, und er bekomme aus ihren Erzählungen den Eindruck, dass oft Gewalt in irgendeiner Form dahintersteckt.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass generell bei Süchtigen aller Art der Haltung vorherrscht, dass sie sich eben "einfach" in den Griff kriegen müssten. Eine gewisse Strenge ist wahrscheinlich schon nötig, aber dabei wird oft vergessen zu schauen, was dahinter steckt, wie etwa mangelndes Selbstbewusstsein.
Keine psychologische, sondern im besten Fall eine sozialpädagogische Herangehensweise - auch in einem der Bücher über Magersüchtige, verrückterweise in dem ernsthaftesten, von einer Medizinerin geschrieben, fand ich diese Haltung.
(Du wirst lachen, aber "Naruto" und vor allem die Reaktionen der Fangirls auf Sasuke waren für mich sehr aufschlussreich, was das Denken von typischen normalen Menschen ohne größere Probleme anbelangt. Sasuke hätte halt "einfach" in seinem Dorf bleiben sollen, und die Worte, die ihm sein Lehrer zu sagen hat (wobei er ihn vorher an einen Baum fesselt, weil er schon weiß, dass der Junge ihm sonst nicht zuhören wird) sind weise Worte, oder eine Lektion, die er "braucht". Und er muss vor sich selbst gerettet werden.
Ich bin die einzige, die denkt, dass sein Lehrer in dieser Situation nicht weise, sondern hilflos ist.
Für die, die normal sind, ist es einfach: Der Junge soll halt einfach wieder normal sein, so wie alle anderen, und sich über seine Freunde im Dorf freuen, und das Unrecht, das ihm und seiner Familie angetan wurde, vergessen.)
Vielleicht ist das auch bei Magersüchtigen und Bulemikern bis zu einem gewissen Grad so, da könntest du schon Recht haben. Ich glaube das Gebiet ist aber auch auf psychologischer Basis einfach viel stärker erforscht. Und was "normale" Menschen denken ist ja ohnehin nochmal was anderes.
In einem Abnehm-Forum hab ich jetzt einen 14-jährigen mit wirklich extremen Übergewicht getroffen. Er schreibt er war schon in Kur deswegen. Auf die Frage warum er denn so dick geworden ist antwortete er: "Ich bin halt adipös."!
Wie soll denn da jemals was passieren, wenn hier Ursache und Wirkung so verdreht werden, anscheinend schon von den Ärzten und Therapeuten? Adipositas ist doch nicht die Krankheit, sondern das Symptom! Es muss nicht die Adipositas behandelt werden, sondern das seelische Leiden!
Ich kenne viele Übergewichtige und jeder einzelne von denen hat mehr Ahnung von richtiger und gesunder Ernährung, als die meisten Ernährungsberater. Trotzdem sind diese Menschen dick. Und warum? Weil sie ihr Wissen nicht umsetzen. Und anstatt, dass sie da eine vernünftige Therapie kriegen in der sie lernen mit ihren Problemem anders umzugehen, als durch falsches Essen, kriegen sie gesagt, dass sie beratungsresistent sind und selber Schuld sind und so weiter, man macht sie also noch mehr runter! Das ist doch Sch**** sowas!
Ein Freund von mir (kein Liebhaber, sondern einfach-so-Freund) ist während seiner Ausbildung zum Analytiker depressiv geworden, und niemand konnte ihm wirklich helfen - und dann nannte man ihn therapieresistent. Als er sich von seinem Traumberuf verabschiedet hatte und auch von den ganzen Leuten dort, ging es ihm wieder besser.
Beratung und Therapie sind einfach Bereiche, in denen es sehr leicht ist, die Verantwortung für das eigene Scheitern auf den Klienten zu schieben.
(Ich hoffe, dass ich meinen Schülern gegenüber nie so zynisch werde - manche bringen mich an meine Grenzen, aber ich hoffe, dass ich dann sage: Sie bringen mich an meine Grenzen, und nicht: Die haben es eben nicht drauf.)
Ich kenne Essstörungen jetzt nur aus zweiter Hand und aus Büchern - okay, ich habe auch meine schlechten Angewohnheite, wie zu unregelmäßiges Essen und zu wenig Obst und Gemüse - aber so richtig eben nicht - aber vielleicht ist das gerade ein Problem, dass manchmal eben keine so richtig heftigen Probleme dahinterstecken (außer dass mein ganzes Leben etwas chaotisch ist), sondern tatsächlich eine Fülle falscher Angewohnheiten. (Als Jugendliche kannte ich eine Familie, in der alle dick waren. Anfangs war der jüngste Sohn noch dünn, aber nach einer Weile wurde er auch dick. Bei dieser Famile stand der Wohnzimmertisch ständig voller Lebensmittel.)
Am Freitag war ich bei meinem Exfreund zum Geburtstag. Ich traf mit lauter Punks, Expunks und sonstigen Linken zusammen - und diese hatten auch ihre Patentrezepte - man muss eben die Kinder von klein auf an gesundes Essen gewöhnen und ihnen nicht zu früh Süßigkeiten geben...
Andererseits - ich kann mir vorstellen, dass es auch dann, wenn die zugrundeliegenden Probleme aufgedeckt sind, noch eine Weile dauert, bis man tatsächlich das Verhalten ändert. Wie in einem meiner Lieblingsbücher, "Trotz Allem", das sich eigentlich an sexuell missbrauchte Frauen richtet: Es hat einen ersten Teil, in dem es darum geht, sich an den Missbrauch zu erinnern und um das verlorene zu trauern, und einen zweiten praktischen Teil, in dem es darum geht, Verhaltensmuster zu verändern.
Und bei Magersüchtigen ist es ja anscheinend so, dass man praktisch überhaupt nichts machen kann, solange sie durch ihr Untergewicht zu sehr geschwächt sind.
Und ja, es ist oft so, dass das Problem als ein ganz kleines startet und einfach mit der Zeit immer größer wird. Es ist ja auch wahr, dass es eine genetische Veranlagung zum Übergewicht gibt. Aber wer genug Sport treibt und nicht zuviel isst wird trotz dieser Veranlagung schlank bleiben.
Übrigens: ich gebe deinen Linken Bekannten zumindest teilweise Recht: ich halte es auch für ganz wichtig Kindern von klein auf an gesundes Essen mit wenig Süßkram zu gewöhnen. Allerdings muss das ohne Druck passieren, durch Vorleben des richtigen Essverhalten und so. Auch, dass die Kinder von klein an dazu motiviert werden Sport zu treiben halte ich für sehr wichtig. Und noch wichtiger: es muss eine positive Motivation von Seiten der Familie da sein, keine negative! Damit kann man tatsächlich viele Essstörungen von vornherein verhindern.
Bloß wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und eine Essstörung hat, dann ist es doch das Falscheste was man machen kann, wenn man einfach sagt: "Das Kind ist dumm und faul und therapieresistent." (Besonders wenn man das dann auch noch dem Kind mehr oder weniger so sagt.)
Übergewicht und Fresssucht auf ein rein seelisches, phsychotherapierbares Problem zu reduzieren ist sicher zu einfach, das ist wohl absolut richtig. Natürlich spielen genetische Veranlagung und evtl. Krankheiten (auch Medikamente) auch eine gewisse Rolle. Lebensstil und Essgewohnheiten würde ich allerdings tatsächlich in die seelischen Ursachen einordnen. Obwohl davon ein Teil natürlich auch erlernt ist, also familiäre Ursachen hat.
Worum es mir aber vor allem ging: meiner Meinung nach legen Fresssüchtige oft genauso ein Suchtverhalten an den Tag, wie Magersüchtige und Bulemiker. Und das wird meist von Ärzten einfach nicht bedacht.
Ich wiege selbst bei 165cm 108kg, mein bisheriger Höchststand auf der Waage waren 120kg, und kein einziger meiner durchaus zahlreichen Ärzte wären auf die Idee gekommen mich mal zu einem Psychologen zu schicken. Da hieß es immer nur: "Ernährungsberatung" und "viel Sport machen" und "Wollen Sie vielleicht an dem in meiner Praxis angebotenen Formula-Diät-Programm teilnehmen?"